BWL steht für Betriebswirtschaftslehre. Sie untersucht Betriebe: Einheiten, die
Güter herstellen und an andere abgeben, zum Beispiel eine Bäckerei oder ein Autowerk.
Es gibt sehr viele Wissenschaften: Mathematik, Biologie, Jura, Psychologie und viele mehr. Das
Wissenschaftssystem ordnet sie. Maßstab der Ordnung ist der
Untersuchungsgegenstand, also das, womit sich eine Wissenschaft beschäftigt.
Einordnen heißt: den Platz der BWL in dieser Ordnung zeigen. Dazu gehört, welche
Gruppen über ihr stehen und welche Nachbarn sie hat.
Die Musterlösung antwortet mit einem Baum (Abbildung 10). Er ist direkt unter dem Aufgabentext
nachgebaut. 3 Punkte sind wenig Zeit: etwa 3 Minuten. Es reicht, den Weg durch den Baum zu
zeigen, am besten als kleine Zeichnung mit den Fachwörtern.
Merke: Einordnen heißt hier: von oben nach unten durch den Baum gehen und bei jeder
Verzweigung sagen, auf welche Seite die BWL gehört und warum.
drei Verzweigungen, drei Fragen
Der Baum funktioniert wie das Regalsystem einer Bibliothek. Oben steht der Oberbegriff
„Wissenschaften“. Jede Verzweigung teilt die Wissenschaften nach einer Frage in
Gruppen auf.
Um die BWL einzuordnen, stellt man diese Fragen der Reihe nach. Die Tabelle rechts zeigt
die drei Verzweigungen, ihre Fragen und die Antwort für die BWL. Die nächsten Schritte
begründen jede Antwort.
Im Baum hängt nicht an jedem Kasten ein weiterer Ast. Die Idealwissenschaften und die
Naturwissenschaften teilt die Abbildung nicht weiter auf. Nur der Ast, an dem die BWL
hängt, geht bis ganz nach unten.
Merke: Der Baum wird von oben nach unten gelesen. Jede Stufe ist enger als die
darüber.
BWL untersucht wirkliche Betriebe → Realwissenschaft
Die erste Verzweigung fragt: Beschäftigt sich die Wissenschaft mit Gedanken oder mit der
wirklichen Welt?
Idealwissenschaften untersuchen Gegenstände, die nur im Denken bestehen. Das Wort
kommt von „Idee“. Beispiele aus der Abbildung: Mathematik (Zahlen, Formen),
Logik (Regeln des richtigen Schließens) und Erkenntnistheorie (die Frage,
wie Wissen entsteht und was wir überhaupt wissen können). Ob „7⋅8=56“ stimmt,
prüft man durch Nachdenken. Man muss dafür keinen einzigen Betrieb besuchen.
Realwissenschaften untersuchen die wirkliche Welt. „Real“ heißt wirklich. Ihre
Aussagen prüft man, indem man die Wirklichkeit beobachtet. Ob an Regentagen mehr Brot
übrig bleibt, weiß man erst, wenn man in echten Bäckereien nachzählt.
Die BWL untersucht wirkliche Betriebe. Sie ist also eine Realwissenschaft.
Aus Aufgabe 4 („Aufgaben der BWL: beschreiben, erklären, gestalten“): Eine
wissenschaftliche BWL muss intersubjektiv nachprüfbare Aussagen machen. Das heißt:
Verschiedene Personen können sie mit denselben Daten und Methoden prüfen und kommen
untereinander zum selben Prüfergebnis. In einer Realwissenschaft sind diese Daten
Beobachtungen aus der Wirklichkeit.
Vorsicht: Die BWL rechnet viel, zum Beispiel Kosten und Gewinne. Die Mathematik ist
dabei aber nur ein Werkzeug. Was die BWL untersucht, sind echte Betriebe. Deshalb ist sie
keine Idealwissenschaft.
Betrieb = von Menschen geschaffene Ordnung → Sozialwissenschaft
Die zweite Verzweigung teilt die Realwissenschaften auf. Die Frage: Untersucht die
Wissenschaft die Natur oder das, was Menschen miteinander geschaffen haben?
Naturwissenschaften untersuchen physische Objekte. Das sind Dinge, die man
anfassen, wiegen oder messen kann und die es auch ohne menschliche Absprachen gäbe: Stoffe
(Chemie), Kräfte und Bewegungen (Physik), Gesteine und Minerale (Geologie, Mineralogie),
Lebewesen (Biologie), Pflanzen (Botanik), Tiere (Zoologie).
Sozialwissenschaften untersuchen das Zusammenleben der Menschen. Das Wort kommt vom
lateinischen socius, Gefährte. Die Abbildung nennt drei Untersuchungsgegenstände:
-
Ordnung der Lebensbereiche: die Regeln und der Aufbau, die Menschen geschaffen
haben. In einem Betrieb zum Beispiel Arbeitsverträge und die Frage, wer wem Anweisungen
gibt.
-
Prozesse in dieser Ordnung: die Abläufe. Zum Beispiel Mehl einkaufen, backen,
verkaufen.
-
Deutungen der Lebensbereiche: wie Menschen das verstehen und bewerten. Zum
Beispiel, was als fairer Preis gilt.
Ein Betrieb ist kein physisches Objekt wie ein Stein. Der Ofen ist physisch, aber der
Betrieb besteht aus Absprachen: Verträge, Zuständigkeiten, Preise. Deshalb ist die BWL
eine Sozialwissenschaft. Warum Hefeteig aufgeht, klärt die Chemie. Wie viele
Brötchen man backt und zu welchem Preis, klärt die BWL.
Hinweis zur Abbildung: Dort steht „Sozialwissenschaften (Geistes- oder
Kulturwissenschaften)“. Die Klammer setzt die drei Namen gleich. Viele Lehrbücher trennen
sie. Dort zählen etwa Sprach- und Literaturwissenschaft zu den Geisteswissenschaften,
nicht zu den Sozialwissenschaften. Für diese Klausur gilt die Einteilung der Abbildung.
Wirtschaft · Recht · Geschichte · Politik · Verhalten
Die dritte Verzweigung teilt die Sozialwissenschaften nach dem Lebensbereich auf,
den sie untersuchen. Die Abbildung nennt fünf Zweige. Die Tabelle rechts zeigt, wie jeder
Zweig anders auf dieselbe Bäckerei schaut.
-
Wirtschaftswissenschaften: das Wirtschaften. Wirtschaften heißt: mit
knappen Mitteln umgehen, also mit Mitteln, die nicht unbegrenzt da sind (Geld,
Mehl, Arbeitszeit).
- Rechtswissenschaft: die geltenden Regeln und Gesetze.
- Geschichtswissenschaft: wie etwas entstanden ist und sich entwickelt hat.
-
Politikwissenschaft: der Staat und wie er Entscheidungen trifft, die für alle
gelten. Ein Beispiel ist der Mindestlohn: der kleinste Stundenlohn, den ein Betrieb laut
Gesetz zahlen muss.
-
Verhaltenswissenschaften: warum Menschen sich so verhalten, wie sie es tun. Die
Psychologie schaut auf den einzelnen Menschen, die Soziologie auf Gruppen
und die Gesellschaft. Das Beispiel rechts ist eine Frage der Psychologie. Das „etc.“ in
der Abbildung heißt: Die Liste ist nicht vollständig.
Die BWL gehört zu den Wirtschaftswissenschaften. Ihr Thema ist, wie ein Betrieb mit
knappen Mitteln umgeht.
Merke: Die Nachbarn der BWL untersuchen oft denselben Betrieb, aber mit einer
anderen Frage. Deshalb arbeitet die BWL eng mit ihnen zusammen, etwa mit dem Recht bei
Verträgen.
BWL: ein Betrieb · VWL: die ganze Volkswirtschaft
Im untersten Kasten stehen zwei Wissenschaften: die Betriebswirtschaftslehre und die
Volkswirtschaftslehre, kurz VWL. Beide untersuchen das Wirtschaften. Sie
unterscheiden sich darin, wie weit ihr Blick reicht.
-
Die BWL schaut auf den einzelnen Betrieb. Frage: Soll die Bäckerei ihren
Brotpreis erhöhen?
-
Die VWL schaut auf die ganze Volkswirtschaft: alle Haushalte (Familien und
Einzelpersonen, die arbeiten und einkaufen), alle Unternehmen und den Staat eines Landes
zusammen. Frage: Warum steigen in ganz Deutschland die Preise?
Für die Einordnung heißt das: Die BWL hat im Baum eine direkte Schwester, die VWL. Beide
zusammen bilden die Wirtschaftswissenschaften. Wer die VWL mitnennt, zeigt, dass er den
Kasten vollständig kennt.
Merke: BWL = einzelner Betrieb. VWL = ganze Volkswirtschaft. Zusammen:
Wirtschaftswissenschaften.
Real → Sozial → Wirtschaft → BWL
Rechts steht die Antwort in drei Sätzen. Am sichersten ist es, den Baum zu zeichnen und den
Weg zur BWL zu markieren.
Zusammengefasst, mit der Frage jeder Verzweigung:
- Gedankenwelt oder wirkliche Welt? Wirkliche Betriebe, also Realwissenschaft.
-
Natur oder von Menschen geschaffene Ordnung? Ein Betrieb besteht aus Absprachen, also
Sozialwissenschaft.
-
Welcher Lebensbereich? Das Wirtschaften, also Wirtschaftswissenschaft, zusammen mit
der VWL.
Merkhilfe: Drei Fragen von oben nach unten: Ist es echt? Ist es von Menschen gemacht?
Geht es ums Wirtschaften? Dreimal ja ergibt die BWL.
Typische Fehler: Die BWL wegen der vielen Rechnungen zu den Idealwissenschaften
(Mathematik) stellen. Sie zu den Naturwissenschaften zählen. Sie zu den
Verhaltenswissenschaften stellen, weil sie auch Verhalten untersucht. Nur
„Sozialwissenschaft“ schreiben und die Stufen darüber und darunter weglassen.