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BWL · Probeklausur · Aufgabe 10

Externe Effekte: wenn andere die Folgen tragen

Gesucht ist eine Erklärung des Begriffs „externe Effekte“. Gemeint sind Folgen einer Produktion oder Nutzung, die nicht beim Verursacher ankommen, sondern bei Dritten. Der Weg: erst klären, was ein Preis auf einem Markt leisten soll. Dann private und soziale Kosten unterscheiden. Dann je ein erfundenes Zahlenbeispiel für den negativen und den positiven externen Effekt. Am Ende das Fazit: Warum der Markt hier falsch verteilt. Rechts steht der ganze Lösungsweg, links die Erklärung zum aktuellen Schritt. Mit → geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick auf einen Schritt springt direkt dorthin.

Schritt 0 Die Aufgabe

10. Was wird unter dem Begriff externe Effekte verstanden? (10 P)

Was die Aufgabe verlangt Was das heißt
„Was wird … verstanden?“ den Begriff definieren und in ganzen Sätzen erklären
10 Punkte etwa acht bis zehn Aussagen: Definition, private und soziale Kosten, negativer und positiver Effekt, Fazit

Einordnung

was ein Markt normalerweise leistet

Schritt 1 Was ein Preis leisten soll

Begriff Bedeutung Beispiel
knapp es gibt weniger davon, als alle gern hätten Wasser, Boden, Arbeitszeit
Preis zeigt, wie knapp und wie teuer in der Herstellung ein Gut ist ein T-Shirt kostet 15 €
Allokation Verteilung knapper Mittel auf die verschiedenen Verwendungen wie viel Wasser in T-Shirts, wie viel in Trinkwasser geht
optimale Allokation die Mittel landen dort, wo sie insgesamt den größten Nutzen stiften —

Die Idee des Marktes: Stimmen die Preise, lenken sie die knappen Mittel von allein an die richtige Stelle.

Schritt 2 Folgen, die beim Verursacher nicht ankommen

Die Definition der Musterlösung
Ist es nicht möglich, sämtliche Folgen der Produktion und der Verwendung der Güter dem Nutzer dieser Güter direkt zuzurechnen, so existieren externe Effekte.
entsteht bei Verursacher Folge für Dritte Art
Produktion Färberei leitet Abwasser in den Fluss Wasserwerk muss das Wasser teurer reinigen negativ
Verwendung Autofahrer Anwohner atmen Abgase, hören Lärm negativ
Produktion Imker hält Bienen Bienen bestäuben die Bäume des Obstbauern nebenan positiv
Verwendung jemand lässt sich impfen die Menschen um ihn herum stecken sich seltener an positiv

In der Realität ist immer mit externen Effekten zu rechnen.

Private und soziale Kosten

wer bezahlt, und was kostet es alle zusammen?

Schritt 3 Private Kosten und soziale Kosten

Begriff Was dazu zählt
private Kosten die Kosten, die der Produzent oder Nutzer des Gutes selbst übernimmt
soziale Kosten alle Kosten, die bei Produktion oder Verwendung in der ganzen Gesellschaft entstehen, egal wer sie trägt
Die Regel dahinter
soziale Kosten≠private Kosten⟹externer Effekt\text{soziale Kosten} \neq \text{private Kosten} \quad\Longrightarrow\quad \text{externer Effekt}

Schritt 4 Nicht im Rechnungswesen

Betrieb steht in seinem Rechnungswesen steht dort nicht
Färberei Löhne, Farbe, Strom: 10.000 € Kosten pro Monat Mehrkosten des Wasserwerks: 4.000 €
Imkerei Futter, Gläser, Geräte: 10.000 € Kosten pro Jahr; Erlös aus dem Honig Bestäubung beim Obstbauern, Wert 3.000 €

Die Kosten oder Leistungen befinden sich nicht im Rechnungswesen.

Zwei Arten externer Effekte

Beispielzahlen erfunden, nur zur Veranschaulichung

Schritt 5 Negativer externer Effekt

Allgemein: Dritte tragen zusätzliche Kosten
soziale Kosten=private Kosten+Belastung Dritter\text{soziale Kosten} = \text{private Kosten} + \text{Belastung Dritter}
Beispiel Färberei, pro Monat: eigene Kosten 10.000 €, Mehrkosten des Wasserwerks 4.000 €
soziale Kosten=10.000+4.000=14.000 Euro\begin{aligned} \text{soziale Kosten} &= 10.000 + 4.000 \\ &= 14.000 \ \text{Euro} \end{aligned}
14.000>10.000⟹soziale Kosten>private Kosten14.000 > 10.000 \quad\Longrightarrow\quad \text{soziale Kosten} > \text{private Kosten}

Schritt 6 Positiver externer Effekt

Allgemein: Dritte haben einen Nutzen und sparen dadurch Kosten, ohne zu bezahlen
soziale Kosten=private Kosten−Ersparnis Dritter\text{soziale Kosten} = \text{private Kosten} - \text{Ersparnis Dritter}
Beispiel Imkerei, pro Jahr: eigene Kosten 10.000 €, der Obstbauer spart 3.000 € Miete für fremde Bienen
soziale Kosten=10.000−3.000=7.000 Euro\begin{aligned} \text{soziale Kosten} &= 10.000 - 3.000 \\ &= 7.000 \ \text{Euro} \end{aligned}
10.000>7.000⟹private Kosten>soziale Kosten10.000 > 7.000 \quad\Longrightarrow\quad \text{private Kosten} > \text{soziale Kosten}

Schritt 7 Zwei Blickwinkel auf den positiven Effekt

Blickwinkel Vergleich im Beispiel Imkerei
Kosten (so die Musterlösung) private Kosten > soziale Kosten 10.000 € > 7.000 €
Nutzen (so in vielen Lehrbüchern) sozialer Nutzen > privater Nutzen Honig für den Imker plus 3.000 € Bestäubung für den Obstbauern, bezahlt wird nur der Honig

Beide Zeilen beschreiben denselben Sachverhalt: Ein Dritter hat einen Nutzen, den der Verursacher nicht bezahlt bekommt.

Fazit

warum der Markt hier nicht optimal verteilt

Schritt 8 Fazit: keine optimale Allokation

Beispiel Grund Folge
Färberei sauberes Flusswasser hat keinen Preis; der T-Shirt-Preis deckt nur 10.000 € statt 14.000 € T-Shirts sind zu billig, es wird zu viel gefärbt, der Fluss wird zu stark belastet
Imkerei die Bestäubung hat keinen Preis; der Imker bekommt die 3.000 € nicht der Imker hält weniger Bienenvölker, als für alle gut wäre

Bei diesen Gütern ist der Markt nicht in der Lage, eine optimale Allokation zu bewirken, da entweder keine Preise existieren oder die Preise die Knappheit der Güter nicht korrekt wiedergeben.

Schritt 9 Ergebnis

✓Definition: Externe Effekte liegen vor, wenn sich nicht alle Folgen der Produktion oder Verwendung eines Gutes dem Nutzer (Verursacher) direkt zurechnen lassen. In der Realität ist immer mit ihnen zu rechnen.
✓Kennzeichen: Die sozialen Kosten (alle entstehenden Kosten) entsprechen nicht den privaten Kosten (die der Produzent oder Nutzer selbst übernimmt). Diese Kosten oder Leistungen stehen nicht im Rechnungswesen.
✓Zwei Arten: Man unterscheidet negative und positive externe Effekte.
✓Negativ: Kosten werden anderen auferlegt, die Nutzeneinbußen oder Aufwendungen hinnehmen müssen. Soziale Kosten > private Kosten.
✓Positiv: Dritte haben einen Nutzen, den der Verursacher nicht bezahlt bekommt. Private Kosten > soziale Kosten.
✓Fazit: Der Markt kann keine optimale Allokation bewirken, weil keine Preise existieren oder die Preise die Knappheit nicht korrekt wiedergeben.

Das Wort „extern“ heißt „außerhalb“: Die Folge liegt außerhalb der Rechnung des Verursachers.