Die Aufgabe verlangt zwei Dinge: eine Tabelle aller Marktformen und zu jeder Marktform
ein Beispiel aus der Wirklichkeit. Vier Begriffe brauchen wir dafür:
| Markt |
jeder Ort, an dem Anbieter und Nachfrager zusammenkommen und tauschen. Das kann ein
Wochenmarkt sein, eine Börse oder ein Onlineshop.
|
| Anbieter |
wer etwas verkaufen will. |
| Nachfrager |
wer etwas kaufen will. |
| Marktform |
beschreibt, wie viele Anbieter und wie viele Nachfrager sich auf einem Markt
gegenüberstehen und wie groß sie sind.
|
„Tabellarisch darstellen“ heißt: Die Antwort ist eine Tabelle, kein Fließtext. Es gibt 9
Punkte und 9 Marktformen. Rechnen Sie damit, dass jedes Feld zählt, also jeweils Name und
Beispiel.
Der Weg: 1. klären, was „vollkommener Markt“ heißt. 2. die Tabelle aus zwei Merkmalen
aufbauen. 3. die Namen verstehen. 4. Feld für Feld Name und Beispiel erklären. 5. die fertige
Tabelle als Klausurantwort.
Ergänzung, nicht Teil der Musterlösung: Diese Tabelle heißt auch
Marktformenschema. Bekannt gemacht hat sie der Ökonom Heinrich von Stackelberg im Jahr
1934.
Preis am Markt · volle Übersicht · Homogenität · sofortige Anpassung
Die Aufgabe fragt nach Marktformen „auf vollkommenen Märkten“. Ein
vollkommener Markt ist ein gedachter Idealmarkt. Rechts stehen vier seiner
Bedingungen:
- Der Preis entsteht am Markt: Nur Angebot und Nachfrage bestimmen ihn.
-
Vollkommene Markttransparenz: Transparenz heißt Übersicht. „Vollkommen“ bedeutet:
Jeder kennt jeden Preis.
-
Homogenität auf beiden Marktseiten: Homogenität heißt Gleichartigkeit. Alle
Anbieter verkaufen dasselbe Gut. Kein Käufer hat eine Vorliebe für einen bestimmten
Anbieter, und kein Anbieter für einen bestimmten Käufer.
- Anpassung ohne Zeit: Alle reagieren sofort auf neue Preise.
Das sind vier der fünf Bedingungen aus Aufgabe 18 („Vollkommener Markt: die Bedingungen
des Modells“). Die fünfte, stabile Präferenzen, spielt für die Einteilung hier keine
Rolle.
Warum ist das hier wichtig? Wenn Güter, Wissen und Tempo überall gleich sind,
unterscheiden sich Märkte nur noch in einem Punkt: wie viele Anbieter und
Nachfrager es gibt und wie groß sie sind. Genau danach ordnet die Tabelle.
Echte Märkte erfüllen diese Bedingungen fast nie ganz. Sie heißen dann
unvollkommen. Die Tabelle ist also ein Denkmodell. Ein gutes Beispiel ist ein
echter Markt, der dem Modell möglichst nahe kommt. Am nächsten kommt ihm die
Wertpapierbörse, deshalb steht sie rechts als Beispiel. Eine Wertpapierbörse ist
ein Marktplatz, an dem zum Beispiel Aktien gehandelt werden. Eine Aktie ist ein
Anteil an einem Unternehmen. Ihr Preis an der Börse heißt Kurs.
Merke: Auf einem vollkommenen Markt ist alles gleich, außer der Zahl und Größe der
Teilnehmer. Deshalb reichen diese zwei Merkmale, um Marktformen zu unterscheiden.
3 Stufen Anbieter
⋅ 3 Stufen Nachfrager
=9 Felder
Die Tabelle stellt zu jedem Markt zwei Fragen: Wie viele Anbieter gibt es? Wie
viele Nachfrager? Für beide Fragen gibt es drei Stufen:
-
viele kleine: Jeder Einzelne ist so klein, dass er den Preis nicht beeinflussen
kann.
-
wenige mittelgroße: Jeder hat einen spürbaren Anteil am Markt. Was einer tut,
merken die anderen.
-
ein großer: Auf dieser Seite gibt es nur einen. Ohne ihn läuft auf dem Markt
nichts.
Zahl und Größe hängen zusammen: Teilen sich viele einen Markt, ist jeder klein. Hat einer
den Markt allein, ist er groß.
Jede Stufe der Anbieter kann auf jede Stufe der Nachfrager treffen. Das ergibt 3⋅3=9 Felder. In der Grafik stehen die Anbieter in den Spalten und die Nachfrager in
den Zeilen, so wie in der Musterlösung.
Tipp für die Klausur: Beschriften Sie die Ecke oben links wie in der Grafik:
„Anbieter →“ und „Nachfrager ↓“. Dann ist klar, wie die Tabelle zu lesen ist.
Name = Seite mit weniger Teilnehmern · beide gleich: „bilateral“
Die neun Namen muss man nicht auswendig lernen. Sie setzen sich aus wenigen Bausteinen
zusammen (Tabelle rechts).
Der Stamm sagt, wie viele es sind: Polypol (viele),
Oligopol (wenige), Monopol (einer).
Der Vorsatz sagt, auf welcher Seite das gilt:
-
Angebots-Oligopol: Bei den Anbietern sind es wenige. Die Nachfrager sind viele.
- Nachfrage-Oligopol: umgekehrt. Bei den Nachfragern sind es wenige.
-
Bilateral heißt zweiseitig: Beide Seiten sind gleich besetzt, zum Beispiel viele
und viele.
-
Beschränkt heißt: Auf einer Seite steht einer allein, auf der anderen stehen aber
nicht viele, sondern nur wenige. Dieser eine hat es also mit wenigen starken Gegenübern
zu tun. Seine Macht ist dadurch beschränkt.
Im Bild sind zwei Felder markiert: Angebots-Oligopol und Nachfrage-Oligopol. Sie liegen
spiegelbildlich zur Diagonale von oben links nach unten rechts.
Hinweis: „-pol“ kommt vom griechischen Wort für „verkaufen“. Trotzdem nennt man es
auch „Nachfrage-Monopol“, wenn es nur einen Käufer gibt. So steht es auch in der
Musterlösung.
viele kleine Anbieter · viele kleine Nachfrager
Viele kleine Anbieter treffen auf viele kleine Nachfrager. Keiner kann allein den Preis
bestimmen. Der Preis entsteht aus dem Zusammenspiel aller.
Devisen- und Wertpapierbörsen sind das beste Beispiel. Devisen sind Guthaben
in fremder Währung, etwa Dollar. Wertpapiere sind zum Beispiel Aktien. An der Börse
handeln sehr viele Menschen dasselbe Papier. Jeder sieht den Kurs sofort. Das kommt dem
vollkommenen Markt aus Schritt 1 sehr nahe.
Zur Musterlösung: Sie nennt auch Supermarkt und Bäckereien. Nach der
Zahl der Teilnehmer passt das: viele Geschäfte, viele Kunden. Ein vollkommener Markt ist
das aber nicht. Kunden haben Vorlieben, etwa den Bäcker um die Ecke. Und jedes Brot
schmeckt ein bisschen anders. Aufgabe 19 nennt Brot deshalb als Beispiel für einen
unvollkommenen Markt, die monopolistische Konkurrenz. Beim Lebensmittelhandel kommt dazu:
In Deutschland teilen sich wenige große Handelsgruppen den größten Teil des Umsatzes. Das
spricht eher für ein Angebots-Oligopol.
Für die Klausur: Die Beispiele der Musterlösung werden bewertet. Wer nur ein Beispiel
nennt, ist mit der Wertpapierbörse auf der sicheren Seite.
wenige mittelgroße Anbieter · viele kleine Nachfrager
Wenige Anbieter teilen sich den Markt. Auf der anderen Seite stehen sehr viele kleine
Käufer.
Strommarkt: Einen großen Teil des Stroms in Deutschland erzeugen wenige große
Energiekonzerne. Kunden sind Millionen Haushalte und Betriebe.
Mineralölmarkt: Wenige Mineralölkonzerne betreiben einen großen Teil der
Tankstellen. Kunden sind Millionen Autofahrer.
Typisch für ein Oligopol: Die Anbieter beobachten sich genau. Senkt eine Tankstelle den
Preis, ziehen die anderen in der Nähe oft schnell nach. Das kennt jeder, der an zwei
Tankstellen nebeneinander vorbeifährt.
Merke: Im Oligopol hängt der Erfolg eines Anbieters davon ab, was die wenigen
anderen tun. Bei vielen kleinen Anbietern spielt das keine Rolle, beim Monopol gibt es
keine anderen.
ein großer Anbieter · viele kleine Nachfrager
Es gibt nur einen Anbieter. Die Käufer können nicht zu einem anderen wechseln.
Wasserwerke: Ein Haushalt bekommt sein Leitungswasser vom Wasserwerk seiner Stadt.
Einen zweiten Anbieter gibt es nicht.
Ein Monopolist kann den Preis selbst festlegen. Wie viel er dann verkauft,
entscheiden die Kunden. Er kann auch die Menge festlegen, dann ergibt sich der
Preis. Beides zugleich geht nicht. Diese Freiheit spielt in Aufgabe 19 wieder eine Rolle.
Zur Musterlösung: Das gesetzliche Briefmonopol der Deutschen Post ist Ende
2007 ausgelaufen. Seitdem dürfen auch andere Firmen Briefe zustellen. Als Lehrbuchbeispiel
ist es trotzdem verbreitet. Die Deutsche Post ist bis heute mit Abstand der größte
Anbieter. Das aktuellere Beispiel sind die Wasserwerke.
viele kleine Anbieter · wenige mittelgroße Nachfrager
Das Spiegelbild zum Angebots-Oligopol aus Schritt 5: Jetzt sind die Käufer wenige.
Im Bild liegt das Feld spiegelbildlich zur Diagonale.
Molkereien: Viele Milchbauern verkaufen ihre Rohmilch. Kaufen können sie in ihrer
Region nur wenige Molkereien.
Winzergenossenschaften: Viele Winzer verkaufen ihre Trauben an wenige
Genossenschaften. Eine Genossenschaft ist ein Unternehmen, das seinen Mitgliedern
gemeinsam gehört.
Vorsicht, Blickrichtung: Die Beispiele nennen den Käufer. Gemeint ist der
Markt für Milch und Trauben. Beim Verkauf von Käse oder Wein an Kunden steht die Molkerei
auf der anderen Seite, als Anbieter.
Zur Musterlösung: Bei den Winzergenossenschaften ist die Zuordnung
erklärungsbedürftig. Die Winzer sind dort meist selbst Mitglieder und haben sich
verpflichtet, ihre Trauben abzuliefern. Um den Preis wird dann nicht frei verhandelt wie
auf einem Markt. Für Molkereien, die als Genossenschaft geführt werden, gilt dasselbe. Das
Grundbild stimmt aber: viele kleine Erzeuger, wenige Abnehmer.
viele kleine Anbieter · ein großer Nachfrager
Das Spiegelbild zum Angebots-Monopol aus Schritt 6: Es gibt nur einen Käufer. Die
Anbieter können an niemand anderen verkaufen.
Autobahnbau: Autobahnen bestellt in Deutschland nur der Staat. Viele Baufirmen
bewerben sich um die Aufträge.
Polizeiuniformen: Viele Textilfirmen könnten sie nähen. Kaufen darf und will sie
nur die Polizei, also wieder der Staat.
Der einzige Käufer hat hier die Macht: Er kann die Anbieter gegeneinander ausspielen und
so den Preis drücken.
Merke: Der Staat ist das typische Beispiel für einen Nachfrage-Monopolisten. Viele
Dinge braucht nur er: Straßen, Uniformen, Kampfflugzeuge.
wenige mittelgroße Anbieter · wenige mittelgroße Nachfrager
Auf beiden Seiten stehen wenige. Deshalb heißt es „bilateral“, also zweiseitig.
Flugzeugmarkt: Große Passagierflugzeuge bauen weltweit nur wenige Hersteller, vor
allem Airbus und Boeing. Kaufen können sie nur wenige große Fluggesellschaften.
Reedereien: Eine Reederei ist ein Unternehmen, das Schiffe betreibt und
damit Waren transportiert. Wenige große Reedereien kaufen große Frachtschiffe bei wenigen
großen Werften.
„Mittelgroß“ heißt dabei nicht „mittelständisch“. Airbus ist ein riesiger Konzern. Gemeint
ist: Jeder hat einen spürbaren Anteil an diesem Markt, aber keiner hat ihn allein.
Merke: Im bilateralen Oligopol wird meist verhandelt. Jeder Auftrag ist groß, und
keine Seite kann einfach auf die andere verzichten.
einer gegen wenige: beschränktes Angebots- bzw. Nachfrage-Monopol
Diese beiden Felder sind wieder Spiegelbilder. Einer steht allein, aber ihm gegenüber
stehen nur wenige.
Beschränktes Angebots-Monopol (ein Anbieter, wenige Nachfrager): Ein
Patent ist ein Recht vom Staat, eine Erfindung für viele Jahre allein zu nutzen.
Hat eine Firma das Patent auf ein Spezialgerät für Kliniken, ist sie der einzige Anbieter.
Käufer sind aber nur wenige große Kliniken. Die können verhandeln. Das beschränkt die
Macht des Monopolisten.
Beschränktes Nachfrage-Monopol (ein Nachfrager, wenige Anbieter): Die Musterlösung
nennt Antiquitäten, Münzen und Briefmarken.
Zur Musterlösung: Das Beispiel passt nur in einem bestimmten Fall. Ein einzelnes
Museum oder ein Sammler sucht genau ein bestimmtes Stück. Nur wenige Händler besitzen es.
Oft ist es bei Sammlerstücken umgekehrt: Wenige besitzen ein seltenes Stück, und viele
Sammler wollen es haben. Dann läge ein Angebots-Oligopol vor. Schreiben Sie das Beispiel
so, dass der eine Käufer erkennbar ist: „ein Museum sucht eine bestimmte Münze“.
ein großer Anbieter · ein großer Nachfrager
Auf jeder Seite steht genau einer. Keiner kann ausweichen. Der Preis wird ausgehandelt.
BMW-Scheinwerfer: Ein Zulieferer ist eine Firma, die Teile für die Produkte
einer anderen Firma herstellt. Baut nur ein Zulieferer den Scheinwerfer für ein bestimmtes
BMW-Modell, ist er der einzige Anbieter. BMW ist der einzige Käufer, denn der Scheinwerfer
passt in kein anderes Auto.
Die Musterlösung nennt nur den Anbieter. Den Käufer, BMW, muss man mitdenken. Schreiben
Sie in der Klausur ruhig beide Seiten hin.
Ein zweites Lehrbuchbeispiel: Tarifverhandlungen. Eine Gewerkschaft bietet die
Arbeit ihrer Mitglieder an, ein Arbeitgeberverband fragt sie nach. Beide verhandeln als
einzige über den Lohn.
9 Felder: Name + Beispiel · Diagonale = „bilateral“
Rechts steht die Tabelle so, wie sie in der Klausur auf dem Papier stehen sollte: zwei
beschriftete Achsen, neun Namen, neun Beispiele aus der Musterlösung.
Zusammengefasst:
- Vollkommener Markt: Alles ist gleich, außer Zahl und Größe der Teilnehmer.
- Zwei Merkmale mit je drei Stufen: 3⋅3=9 Marktformen.
-
Der Name nennt die Seite mit weniger Teilnehmern. Gleich besetzt heißt „bilateral“, einer
gegen wenige heißt „beschränkt“.
Merkhilfe: Erst die Diagonale füllen: Polypol, Oligopol, Monopol, jeweils
„bilateral“. Dann die erste Zeile: Angebots-Oligopol, Angebots-Monopol. Die erste Spalte ist
ihr Spiegelbild: Nachfrage-Oligopol, Nachfrage-Monopol. Übrig bleiben die zwei beschränkten
Monopole.
Typische Fehler: „Angebots-“ und „Nachfrage-“ vertauschen, weil die Achsen nicht
beschriftet sind. Ein Beispiel von der falschen Seite nennen, etwa die Molkerei als
Verkäufer von Käse. Ein Monopol mit einem „großen Unternehmen“ verwechseln: Entscheidend
ist, dass es keinen zweiten Anbieter gibt. Ein Feld ohne Beispiel lassen.