Ein Konditor backt zwei Sorten Torten. Für jede Torte braucht er Mehl, Butter und Sahne. Von
jeder Zutat hat er je Periode nur einen festen Vorrat. Er kann also nicht beliebig viele
Torten backen.
Gesucht sind drei Zahlen: wie viele Schwarzwälder Kirschtorten, wie viele Frankfurter Kränze,
und wie hoch der Gewinn dann ist.
Lineare Programmierung ist ein Verfahren für genau diese Lage: Man sucht den besten
Wert einer Größe (hier den Gewinn), während mehrere Grenzen (hier die Vorräte) eingehalten
werden müssen. „Linear“ heißt: Alle Formeln sind Geraden, es kommen keine Quadrate oder
Wurzeln vor.
Der Weg:
- Die Aufgabe in Formeln übersetzen (Schritte 1–5).
- Die Grenzen als Geraden zeichnen und die erlaubte Fläche finden (Schritte 6–9).
- Die Ecken dieser Fläche bestimmen (Schritte 10–14).
- An jeder Ecke den Gewinn ausrechnen, vergleichen und prüfen (Schritte 15–17).
- Das Ergebnis mit der Musterlösung abgleichen (Schritt 18).
Abweichung von der Musterlösung: Das Ergebnis hier ist
(30∣0): 30 Schwarzwälder,
0 Kränze, 1.440,00 €. Die offizielle Musterlösung nennt
(20∣14) mit 1.408,00 €. Bis
Schritt 14 stimmt alles mit der Musterlösung überein. Schritt 18 zeigt mit einer Probe, warum
ihr Punkt mehr Butter und Sahne verbraucht, als vorrätig ist.
Einheiten: Beim Verbrauch je Torte steht ausdrücklich „in g“. Beim Vorrat steht
„Kilogramm (g)“, das ist widersprüchlich. 1.200 kg Mehl für ein paar Dutzend Torten wären aber
unsinnig. Gemeint sind also auch hier Gramm. Wichtig ist nur, dass Verbrauch und Vorrat
in derselben Einheit stehen. So wird hier durchgehend gerechnet.
x = Schwarzwälder,
y = Kränze
Zuerst bekommen die gesuchten Mengen einen Namen. Ohne Namen kann man keine Formel
aufschreiben.
- x ist die Zahl der Schwarzwälder Kirschtorten je Periode.
- y ist die Zahl der Frankfurter Kränze je Periode.
Ein Produktionsprogramm ist eine Entscheidung, wie viel von jeder Sorte gebacken
wird. Jedes Produktionsprogramm ist ein Punkt (x∣y) im Bild. Die waagerechte Achse
zählt die Schwarzwälder, die senkrechte die Kränze.
Beispiel: Der Punkt (10∣10) heißt „10 Schwarzwälder und 10 Kränze“. Er ist im Bild
markiert.
dbx=48,00 €,
dby=32,00 €
Aus Aufgabe 25 („Break-Even-Point: ab wann der Schal die Fixkosten trägt“): Der
Stückdeckungsbeitrag
db ist der Verkaufspreis
p minus die variablen Kosten
kvar je Stück. Er ist das, was von jedem verkauften Stück übrig bleibt.
Für die Planung zählt nicht der Verkaufspreis, sondern dieser Rest. Denn jede Torte
verursacht selbst Kosten, zum Beispiel für die Zutaten. Diese
variablen Kosten fallen nur an, wenn die Torte gebacken wird.
- Schwarzwälder: 100,00−52,00=48,00 € je Torte.
- Kranz: 90,00−58,00=32,00 € je Torte.
Das kleine x bzw. y unten am db sagt, zu welcher Sorte der Wert gehört.
Gewinn oder Deckungsbeitrag? Die Aufgabe nennt keine Fixkosten, also keine Kosten,
die auch ohne Backen anfallen (etwa Miete). Deshalb ist der „Gewinn“ hier die Summe der
Deckungsbeiträge, der Gesamtdeckungsbeitrag. Gäbe es Fixkosten, müsste man sie am
Ende noch abziehen. Am besten Produktionsprogramm würde das nichts ändern.
G=48x+32y⟶max
Die Zielfunktion ist die Formel für die Größe, die möglichst groß werden soll. Hier
ist das der Gewinn G.
Jede Schwarzwälder bringt 48 €, also bringen x Stück 48⋅x Euro. Jeder Kranz
bringt 32 €, also bringen y Stück 32⋅y Euro. Zusammen: G=48x+32y.
Der Pfeil „⟶max“ heißt: Gesucht sind die Werte von x und y, bei
denen G am größten ist.
Beispiel (10∣10): G=48⋅10+32⋅10=800 €. Das ist ein möglicher
Gewinn, aber noch nicht der größte.
Merke: In die Zielfunktion gehören die Deckungsbeiträge aus Schritt 2, nicht die
Verkaufspreise 100 und 90.
x≥0, y≥0
Man kann keine minus 5 Torten backen. Deshalb gilt: x und y sind null oder größer. Das
Zeichen ≥ heißt „größer oder gleich“.
Diese Bedingung hat einen langen Namen: Nichtnegativitätsbedingung. Er heißt nur
„nicht negativ“.
Warum schreibt man das hin? Die Mathematik weiß nicht, dass es um Torten geht. Ohne diese
Bedingung wären auch negative Mengen erlaubt, und die Rechnung könnte Unsinn liefern.
Im Bild heißt das: Es zählt nur das Feld rechts von der senkrechten Achse und über der
waagerechten Achse. Es ist leicht getönt.
30x+40y≤1.200 ·
30x+90y≤1.800 ·
40x+30y≤1.200
Eine Restriktion ist eine Grenze, die eingehalten werden muss. Ein anderes Wort
dafür ist Nebenbedingung. Hier gibt es eine Restriktion je Zutat.
Beispiel Mehl: Jede Schwarzwälder braucht 30 g, also brauchen x Stück 30⋅x
Gramm. Jeder Kranz braucht 40 g, also brauchen y Stück 40⋅y Gramm. Zusammen
dürfen es höchstens 1.200 g sein:
30x+40y≤1.200
Für Butter und Sahne geht es genauso. Jede Zeile der Zutatentabelle wird eine Ungleichung.
Das Zeichen ≤ heißt „kleiner oder gleich“.
Probe mit (10∣10): Mehl 300+400=700≤1.200, Butter 300+900=1.200≤1.800, Sahne 400+300=700≤1.200. Dieses Programm ist also erlaubt.
Warum ≤ und nicht =? Der Vorrat muss nicht aufgebraucht werden. Es darf etwas übrig
bleiben. Der Hinweis „kein Abfall“ in der Aufgabe heißt nur: Beim Backen geht nichts
verloren. Eine Torte braucht genau die Menge aus der Tabelle.
Mehl
(40∣0),(0∣30) · Butter
(60∣0),(0∣20) · Sahne
(30∣0),(0∣40)
Jetzt wird jede Restriktion ins Bild gezeichnet. Dazu betrachten wir den Grenzfall: Die
Zutat wird genau aufgebraucht. Aus ≤ wird =. Alle Punkte, für die das gilt,
liegen auf einer Geraden.
Eine Gerade ist durch zwei Punkte festgelegt. Am einfachsten sind die Punkte auf den
Achsen. Man setzt eine Unbekannte null und rechnet die andere aus.
Beispiel Mehl, 30x+40y=1.200:
-
y=0 (keine Kränze): 30x=1.200, also x=1.200:30=40. Mit dem Mehl allein
gingen 40 Schwarzwälder.
-
x=0 (keine Schwarzwälder): 40y=1.200, also y=1.200:40=30. Mit dem Mehl
allein gingen 30 Kränze.
Die Stelle, an der eine Gerade die x-Achse schneidet, heißt kurz x-Abschnitt. Die
Stelle an der y-Achse heißt y-Abschnitt. Bei Mehl ist der x-Abschnitt 40 und der
y-Abschnitt 30.
Butter und Sahne stehen rechts in der Tabelle. Im Bild sind die sechs Punkte markiert. Die
Linie durch je zwei davon ist die Gerade der Zutat.
Stolperstelle: Für den x-Abschnitt teilt man durch die Zahl vor dem
x. Bei Butter
also
1.800:30=60, nicht
1.800:90.
Mehl
y≤30−0,75x · Butter
y≤20−0,33x · Sahne
y≤40−1,33x
Eine zweite Form jeder Restriktion hilft beim Zeichnen und später beim Vergleich: y
allein auf der linken Seite. Man nennt das „nach y umstellen“.
Dazu zwei Umformungen, jeweils auf beiden Seiten:
- Den x-Teil abziehen. Dann steht links nur noch der y-Teil.
- Durch die Zahl vor dem y teilen. Dann steht links nur noch y.
Beim Teilen wird rechts jeder Teil einzeln geteilt: der Vorrat und die Zahl vor dem
x. Bei Mehl: 1.200:40=30 und 30:40=0,75.
Das ≤ bleibt dabei stehen. Es dreht sich nur um, wenn man durch eine
negative Zahl teilt. Hier teilen wir durch 40, 90 und 30. Die sind positiv.
Was die Form verrät: Die Zahl ohne x ist der y-Abschnitt (30, 20, 40, wie in Schritt 6).
Die Zahl vor dem x ist die Steigung. Sie sagt, um wie viel y sinkt, wenn x um
1 steigt. Bei Sahne: eine Schwarzwälder mehr heißt 1,33 Kränze weniger.
Die Steigungen: Sahne −1,33 ist am steilsten, Butter −0,33 am flachsten. Das sieht
man im Bild.
Nullpunkt erfüllt alle drei → unterhalb der Geraden ist erlaubt
Die Gerade ist nur die Grenze. Auf einer Seite wird der Vorrat eingehalten, auf der
anderen überschritten. Welche Seite ist die erlaubte?
Das klärt ein Probepunkt. Am einfachsten ist der Nullpunkt (0∣0): nichts backen.
Dann braucht man 0 g von jeder Zutat. 0≤1.200 stimmt, 0≤1.800 auch. Der
Nullpunkt ist also erlaubt.
Also ist bei allen drei Geraden die Seite erlaubt, auf der der Nullpunkt liegt. Das ist
jeweils die Seite unterhalb der Geraden.
Dasselbe zeigt die Form aus Schritt 7: y≤… heißt „y ist höchstens so groß
wie die Gerade“, also darunter oder darauf.
Merke: Der Test mit dem Nullpunkt funktioniert immer, solange die Gerade nicht
durch den Nullpunkt geht. Er verhindert, dass man die falsche Seite einfärbt.
alle fünf Bedingungen zugleich → ein Viereck
Ein Produktionsprogramm ist nur dann möglich, wenn es alle Bedingungen zugleich
erfüllt: x≥0, y≥0 und die drei Restriktionen.
Die Fläche, in der das gilt, heißt zulässiger Bereich. „Zulässig“ heißt „erlaubt“.
Im Bild ist sie grün.
An jeder Stelle zählt die Gerade, die am weitesten unten liegt. Denn sie ist dort die
strengste Grenze. Deshalb besteht der obere Rand aus zwei Stücken: links begrenzt Butter,
rechts Sahne. Die Mehl-Gerade liegt überall weiter oben.
Der Bereich ist ein Viereck. Der Beispielpunkt (10∣10) aus Schritt 1 liegt darin.
Das passt zur Probe in Schritt 5.
Merke: Jeder Punkt im grünen Viereck ist ein Programm, das der Konditor backen
kann. Jeder Punkt außerhalb verbraucht von mindestens einer Zutat zu viel.
y=32G−1,5x: für jedes
G eine Gerade, alle parallel
Im grünen Viereck liegen unendlich viele Punkte. Welcher hat den größten Gewinn? Dazu
stellen wir die Zielfunktion für einen festen Gewinn G nach y um, wie in Schritt 7.
Heraus kommt eine Gerade. Alle Punkte auf ihr bringen denselben Gewinn. Sie heißt deshalb
Isogewinngerade. „Iso“ kommt aus dem Griechischen und heißt „gleich“.
Für G=480 € und G=960 € sind die Geraden im Bild gestrichelt. Sie haben dieselbe
Steigung −1,5, sind also parallel. Je größer G, desto weiter liegt die Gerade vom
Nullpunkt weg.
Um den größten Gewinn zu finden, schiebt man die Gerade parallel nach außen. Man hört auf,
wenn sie den grünen Bereich gerade noch berührt. Weil der Rand aus geraden Stücken
besteht, ist dieser letzte Berührpunkt eine Ecke.
Die Regel der linearen Programmierung: Das Optimum liegt in einer Ecke des
zulässigen Bereichs. „Optimum“ heißt „bester Wert“. Man muss also nicht unendlich viele
Punkte prüfen, sondern nur die Ecken. (Sonderfall: Ist die Isogewinngerade genau parallel
zu einer Randgeraden, sind zwei benachbarte Ecken und alles dazwischen gleich gut.)
(20∣13,33)
Eine Ecke liegt dort, wo der Rand von Butter zu Sahne wechselt. Das ist der Schnittpunkt
der beiden Geraden. Dort werden Butter und Sahne genau aufgebraucht. Beide
Gleichungen gelten also zugleich. So etwas heißt Gleichungssystem.
Wir lösen es mit dem Subtraktionsverfahren: Man zieht eine Gleichung von der
anderen ab, sodass eine Unbekannte wegfällt.
-
Erst vereinfachen: Butter durch 30 teilen, Sahne durch 10. Beide Gleichungen enthalten
dann 3y.
- (II) minus (I): links fallen die 3y weg, es bleibt 3x=60, also x=20.
- x=20 in (I) einsetzen: 20+3y=60, also y=40/3.
40/3 ist 13,333… mit unendlich vielen Dreien. Der Strich über der 3
(13,3) bedeutet genau das. Wir runden für die Anzeige auf zwei Stellen:
13,33. Gerechnet wird mit dem genauen Wert.
Zum Schluss die Probe mit der dritten Zutat Mehl: 1.133,33 g ≤ 1.200 g. Der Punkt ist
zulässig.
Warum rechnen statt ablesen? Im Bild liegen mehrere Schnittpunkte dicht
beieinander. Ablesen wäre ungenau. Nur die Rechnung gibt den Punkt sicher.
(24∣12) und
(17,14∣17,14) sind unzulässig
Drei Geraden haben drei Schnittpunkte. Ist jeder davon eine Ecke? Nein. Ein Schnittpunkt
erfüllt zwei Restriktionen genau. Die dritte kann er verletzen. Deshalb braucht jeder
Schnittpunkt eine Probe mit der dritten Zutat.
Mehl und Butter: Beide Gleichungen haben 30x. Butter minus Mehl gibt 50y=600,
also y=12. Einsetzen in Mehl: 30x+480=1.200, also 30x=720 und x=24.
Probe Sahne: 1.320 g. Das sind 120 g mehr, als da sind.
Mehl und Sahne: Hier stimmen keine Zahlen überein. Also erst Mehl mal 4 und Sahne
mal 3 nehmen. Warum 4 und 3? 30⋅4=120 und 40⋅3=120. Dann haben beide
120x. Abziehen gibt 70y=1.200, also y=1.200:70=120/7≈17,14.
Diese Zahl geht nicht glatt auf. Damit nichts durch Rundung verfälscht wird, rechnen wir
mit dem Bruch 120/7 weiter. Rechts steht jede Zeile. Das Einsetzen gibt ebenso x=120/7. Erst ganz am Ende wird auf zwei Stellen gerundet. Probe Butter: 120⋅120/7=14.400/7≈2.057,14 g. Das sind 257,14 g zu viel.
Beide Punkte liegen im Bild außerhalb der grünen Fläche. Sie sind keine Ecken.
Typischer Fehler: Den ersten Schnittpunkt nehmen, den man findet. Ohne Probe
rechnet man dann mit einem Programm, das sich gar nicht backen lässt.
höchstens 1.133,33 g von 1.200 g Mehl
Schritt 12 zeigt: Beide Schnittpunkte mit der Mehl-Geraden liegen außerhalb. Die
Mehl-Gerade berührt die grüne Fläche also nirgends.
Zur Kontrolle rechts der Mehlverbrauch in den Ecken, an denen gebacken wird: höchstens
1.133,33 g. Es bleiben immer mindestens 66,67 g übrig.
Warum genügen die Ecken? Der Mehlverbrauch 30x+40y ist eine lineare Formel, genau wie
der Gewinn. Nach der Regel aus Schritt 10 liegt ihr größter Wert in einer Ecke. Die Ecke
(0∣0) verbraucht nichts und fehlt deshalb. Ist der Verbrauch schon in den drei
übrigen Ecken unter 1.200 g, dann überall in der Fläche.
Eine solche Restriktion heißt redundant, also überflüssig. Man könnte sie
weglassen, und der zulässige Bereich bliebe gleich.
Für den Konditor heißt das: Mehl ist nie der Grund, warum er nicht mehr backen
kann. Knapp sind nur Butter und Sahne.
(0∣0) ·
(0∣20) ·
(20∣13,33) ·
(30∣0)
Das Viereck hat vier Ecken. Nur eine ist ein Schnittpunkt zweier Zutaten-Geraden. Die
anderen drei liegen auf den Achsen:
- (0∣0): der Nullpunkt, gar nichts backen.
-
(0∣20): nur Kränze. Die y-Abschnitte sind Mehl 30, Butter 20 und Sahne 40. Die
strengste Grenze ist die kleinste Zahl: Butter mit 20. Mehr als 20 Kränze erlaubt die
Butter nicht.
-
(30∣0): nur Schwarzwälder. Die x-Abschnitte sind Mehl 40, Butter 60 und Sahne 30.
Die kleinste Zahl ist 30, also Sahne.
- (20∣13,33): Butter und Sahne, aus Schritt 11.
Typischer Fehler: Nur den Schnittpunkt in der Mitte prüfen. Die Ecken auf den
Achsen sind genauso Kandidaten. Hier liegt das Optimum sogar genau auf einer davon.
G(30∣0)=1.440,00 € ist der größte Wert
Nach der Regel aus Schritt 10 liegt das Optimum in einer der vier Ecken. Also setzen wir
jede Ecke in die Zielfunktion G=48x+32y ein und vergleichen.
- (0∣0): 0,00 €.
- (0∣20): 32⋅20=640,00 €.
- (20∣13,33): 960+426,67=1.386,67 €.
- (30∣0): 48⋅30=1.440,00 €.
Der größte Wert ist 1.440,00 € in der Ecke (30∣0): 30 Schwarzwälder, keine
Kränze. Der Schnittpunkt in der Mitte bringt 53,33 € weniger.
(30∣0) sind ganze Zahlen. Es muss also nichts gerundet werden. Das ist wichtig, denn
halbe Torten kann man nicht verkaufen.
Die Balken im Panel zeigen den Gewinn und den Sahneverbrauch in dieser Ecke.
Die Musterlösung nennt hier einen anderen Wert. Warum, zeigt Schritt 18.
Betrag
1,5>1,33: steiler als Sahne → Ecke
(30∣0)
Die Aufgabe verlangt eine grafische Lösung. Dazu zeichnet man die Isogewinngerade aus
Schritt 10 durch die beste Ecke. Das bestätigt das Ergebnis zugleich.
Für G=1.440: y=1.440:32−1,5x=45−1,5x. Diese Gerade (grün gestrichelt)
berührt die Fläche nur in (30∣0). Alle anderen Punkte der Fläche liegen darunter,
bringen also weniger.
Zum Vergleich: Die blasse gestrichelte Linie durch den markierten Punkt (20∣13,33)
gehört zu 1.386,67 €. Rechts unten ragt die grüne Fläche noch über sie hinaus. Dort gibt
es also Punkte mit mehr Gewinn. Deshalb ist (20∣13,33) nicht das Optimum.
Warum landet man ganz unten auf der x-Achse? Alle Steigungen hier sind negativ. Wie steil
eine Gerade fällt, sagt deshalb der Betrag der Steigung, also die Zahl ohne
Minuszeichen. Die Isogewinngerade hat 1,5, die Sahne-Gerade 1,33. 1,5>1,33: Die
Isogewinngerade fällt steiler. Schiebt man sie nach außen, rutscht der letzte Berührpunkt
an der Sahne-Geraden entlang bis auf die x-Achse.
Regel zum Vorhersagen der besten Ecke (Beträge der Steigungen vergleichen):
-
Liegt die Isogewinngerade zwischen zwei Randgeraden, ist deren Schnittpunkt die beste
Ecke.
- Ist sie steiler als alle Randgeraden, liegt die beste Ecke auf der x-Achse.
- Ist sie flacher als alle Randgeraden, liegt die beste Ecke auf der y-Achse.
Hier:
1,5 (Isogewinn)
>1,33 (Sahne)
>0,33 (Butter). Die Isogewinngerade ist
am steilsten, also liegt die beste Ecke auf der x-Achse:
(30∣0).
Sahne 1.200 von 1.200 g, Mehl 300 g und Butter 900 g Rest
Zum Schluss setzen wir das Ergebnis in alle Restriktionen ein. So prüfen wir, ob das
Programm wirklich backbar ist.
Mehl 900 g und Butter 900 g liegen unter dem Vorrat. Sahne ist mit 1.200 g genau
verbraucht. Alle drei Restriktionen sind erfüllt.
Die Zutat, die ganz aufgebraucht wird, heißt Engpass. Hier ist das die Sahne. Sie
verhindert, dass mehr gebacken wird.
Das erklärt auch, warum kein Kranz dabei ist. Bei einem Engpass zählt, wie viel
Deckungsbeitrag eine Torte je Gramm Sahne bringt:
- Schwarzwälder: 48:40=1,20 € je Gramm Sahne.
- Kranz: 32:30≈1,07 € je Gramm Sahne.
Jedes Gramm Sahne bringt in einer Schwarzwälder mehr. Also steckt der Konditor die ganze
Sahne in Schwarzwälder: 1.200:40=30 Stück.
Musterlösung
(20∣14) mit 1.408,00 € ist unzulässig
Die offizielle Musterlösung nennt 20 Schwarzwälder und 14 Kränze mit einem Gewinn von
1.408,00 €. Dieser Punkt ist nicht backbar. Die Probe mit den Vorräten zeigt es:
- Butter: 30⋅20+90⋅14=1.860 g. Vorrat 1.800 g, also 60 g zu viel.
- Sahne: 40⋅20+30⋅14=1.220 g. Vorrat 1.200 g, also 20 g zu viel.
Wie die Musterlösung auf (20∣14) kommt, steht dort nicht. Sie enthält keinen
Rechenweg. Naheliegend ist: Aus dem Schnittpunkt (20∣13,3) aus Schritt
11 wurde durch Aufrunden (20∣14). Mehr Torten brauchen aber mehr Zutaten. Wer
aufrundet, überschreitet deshalb die Vorräte.
Unabhängig davon: (30∣0) bringt mit 1.440,00 € mehr als jeder Punkt in der Nähe von
(20∣13,33). Die Ecken auf den Achsen gehören immer in die Eckpunktprobe.
Runden bei ganzen Stückzahlen: Abrunden macht einen Punkt backbar, aber nicht
unbedingt zum besten.
(20∣13) bringt 1.376,00 €. Der ebenfalls zulässige Punkt
(21∣12) bringt 1.392,00 € (Mehl 1.110 g, Butter 1.710 g, Sahne 1.200 g). Ist die
beste Ecke nicht ganzzahlig, prüft man deshalb die ganzzahligen Punkte in ihrer Nähe. Hier
stellt sich die Frage nicht: Die beste Ecke
(30∣0) ist schon ganzzahlig.
Zum Bild: Das Kästchen rechts oben ist eine Vergrößerung des kleinen gestrichelten
Rechtecks um die Ecke (20∣13,33). Es zeigt x von 18 bis 22 und y von 12 bis
16. Der rot gestrichelte Kreis ist (20∣14). Er liegt über der Butter- und über der
Sahne-Geraden, also außerhalb der grünen Fläche. Der rote Strich zeigt den Abstand: 14−13,33=0,67 Kränze über der Ecke.
Was übereinstimmt: Zielfunktion
G=48x+32y, Nichtnegativitätsbedingung, die
drei Restriktionen und alle sechs Achsenabschnitte sind in der Musterlösung genauso. Die
Abweichung entsteht erst bei der Wahl des Punktes.
Rat für die Klausur: Den ganzen
Weg aufschreiben: alle Ecken, die Eckpunktprobe mit dem Gewinn jeder Ecke und die Probe
des Ergebnisses mit den Vorräten. Dann ist jeder Schritt nachprüfbar.
30 Schwarzwälder · 0 Kränze · 1.440,00 €
Der Konditor backt je Periode 30 Schwarzwälder Kirschtorten und
keinen Frankfurter Kranz. Der maximale Gewinn beträgt 1.440,00 €. Genauer ist
das der Gesamtdeckungsbeitrag, weil keine Fixkosten gegeben sind.
Die Sahne ist ganz verbraucht. 300 g Mehl und 900 g Butter bleiben übrig.
Zum Schema der Klausur (Tabelle rechts): Gmax heißt „größter Gewinn“. Die Zeile
ist die Zielfunktion aus Schritt 3. Darunter stehen die Nichtnegativitätsbedingung aus
Schritt 4 und die drei Restriktionen aus Schritt 5. Die Spalten x-Abschnitt und y-Abschnitt
sind die Achsenschnittpunkte aus Schritt 6.
Der Weg in Kurzform:
- Deckungsbeiträge bilden: 48 € und 32 €.
- Zielfunktion G=48x+32y und drei Restriktionen aufschreiben.
- Restriktionen als Geraden zeichnen, erlaubte Seite bestimmen.
- Zulässigen Bereich einfärben und seine Ecken berechnen.
- Jede Ecke in die Zielfunktion einsetzen, den größten Wert nehmen.
- Probe: Ergebnis in alle Restriktionen einsetzen.
Typische Fehler:
- Verkaufspreise statt Deckungsbeiträge in die Zielfunktion schreiben.
- Einen Schnittpunkt nehmen, ohne die dritte Zutat zu prüfen.
- Die Ecken auf den Achsen vergessen.
- Eine nicht ganzzahlige Ecke aufrunden. Dann werden die Vorräte überschritten.