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BWL · Probeklausur · Aufgabe 30

Auf welche Materialien der größte Teil des Werts entfällt

Die PC AG verbraucht zehn Materialien. Gesucht ist eine Einteilung in drei Klassen: A für die wenigen Materialien, auf die der größte Teil des Verbrauchswerts entfällt, C für die vielen mit wenig Verbrauchswert, B dazwischen. Der Verbrauchswert ist das Geld, das für ein Material ausgegeben wird: Menge mal Preis. Der Weg: für jedes Material Menge mal Preis rechnen, daraus Anteile in Prozent bilden, nach dem Wert sortieren, die Anteile aufaddieren und an den Grenzen der Firmenregel schneiden. Teil b) fragt nach den Schwächen dieses Verfahrens. Rechts steht der ganze Lösungsweg, links die Erklärung zum aktuellen Schritt. Mit → geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick auf einen Schritt springt direkt dorthin.

Schritt 0 Die Aufgabe

a) Führen Sie mit den nachfolgenden Informationen eine ABC-Analyse durch. Bitte tragen Sie die Lösung in das dafür vorgesehene Schema ein. (20 P) Hinweis: bitte auf zwei Nachkommastellen kaufmännisch runden!

PC AG hat folgende firmenweite Regeln aufgestellt:

Güter Wertanteil in % Mengenanteil in %
A 70,00 38,09
B 21,67 28,57
C 8,33 33,33
Material Nr. Verbrauch (Stück) Preis/Stück in €
P1 9.000 20,00 €
P2 10.000 3,00 €
P3 5.000 21,00 €
P4 2.000 1,50 €
P5 1.000 7,00 €
P6 6.000 22,50 €
P7 5.000 9,00 €
P8 2.000 2,50 €
P9 10.000 8,50 €
P10 2.500 2,00 €

Lösungsschema zur ABC-Analyse (in der Klausur leer vorgegeben, zehn Zeilen und eine Summenzeile; Art. Nr. = Artikelnummer, hier die Materialnummer):

Rang Art. Nr. Mengen­verbrauch in % Kumuliert in Klassen % Wert­verbrauch % Kumuliert Pro Klasse in % Klasse

b) Welches sind die Mängel der ABC-Analyse und wie kann diesen entgegengewirkt werden? (05 P)

Worum es geht

was die Analyse sucht und wie die Regel zu lesen ist

Schritt 1 Was die ABC-Analyse sucht

Die Firmenregel in Worten
A: wenige Materialien (38,09 % der Stücke) mit dem größten Teil des Werts (70,00 %)
B: Mittelfeld (28,57 % der Stücke, 21,67 % des Werts)
C: viele Stücke (33,33 %), aber wenig Wert (8,33 %)

Der Verbrauchswert

die Zahl, nach der alles sortiert wird

Schritt 2 Der Verbrauchswert je Material

Wie viel Geld für ein Material ausgegeben wird: Menge mal Preis
Verbrauchswert=Verbrauch in Stu¨ck⋅Preis je Stu¨ck\text{Verbrauchswert} = \text{Verbrauch in Stück} \cdot \text{Preis je Stück}
P1:9.000⋅20,00 Euro=180.000,00 Euro\text{P1:}\quad 9.000 \cdot 20{,}00\ \text{Euro} = 180.000{,}00\ \text{Euro}
Material Rechnung (Stück · €/Stück) Verbrauchswert in €
P1 9.000 · 20,00 180.000,00
P2 10.000 · 3,00 30.000,00
P3 5.000 · 21,00 105.000,00
P4 2.000 · 1,50 3.000,00
P5 1.000 · 7,00 7.000,00
P6 6.000 · 22,50 135.000,00
P7 5.000 · 9,00 45.000,00
P8 2.000 · 2,50 5.000,00
P9 10.000 · 8,50 85.000,00
P10 2.500 · 2,00 5.000,00

Schritt 3 Die beiden Summen

100 % der Menge: alle Stück zusammen
Gesamtmenge=9.000+10.000+5.000+2.000+1.000+6.000+5.000+2.000+10.000+2.500=52.500 Stu¨ck\begin{aligned} \text{Gesamtmenge} &= 9.000 + 10.000 + 5.000 + 2.000 + 1.000 \\ &\quad + 6.000 + 5.000 + 2.000 + 10.000 + 2.500 \\ &= 52.500 \ \text{Stück} \end{aligned}
100 % des Werts: alle Verbrauchswerte aus Schritt 2 zusammen
Gesamtwert=180.000+30.000+105.000+3.000+7.000+135.000+45.000+5.000+85.000+5.000=600.000,00 Euro\begin{aligned} \text{Gesamtwert} &= 180.000 + 30.000 + 105.000 + 3.000 + 7.000 \\ &\quad + 135.000 + 45.000 + 5.000 + 85.000 + 5.000 \\ &= 600.000{,}00 \ \text{Euro} \end{aligned}

Die Anteile in Prozent

jede Zahl durch ihre eigene Summe teilen

Schritt 4 Die Wertanteile

Teilen durch den Gesamtwert von 600.000,00 €
Wertanteil=VerbrauchswertGesamtwert⋅100 %\text{Wertanteil} = \frac{\text{Verbrauchswert}}{\text{Gesamtwert}} \cdot 100\ \%
P1:180.000600.000⋅100 %=30,00 %P9:85.000600.000⋅100 %=14,1666…≈14,17 %\text{P1:}\quad \frac{180.000}{600.000} \cdot 100\ \% = 30{,}00\ \% \qquad \text{P9:}\quad \frac{85.000}{600.000} \cdot 100\ \% = 14{,}1666\ldots \approx 14{,}17\ \%
Material Verbrauchswert in € genau in % gerundet in %
P1 180.000,00 30 30,00
P2 30.000,00 5 5,00
P3 105.000,00 17,5 17,50
P4 3.000,00 0,5 0,50
P5 7.000,00 1,1666… 1,17
P6 135.000,00 22,5 22,50
P7 45.000,00 7,5 7,50
P8 5.000,00 0,8333… 0,83
P9 85.000,00 14,1666… 14,17
P10 5.000,00 0,8333… 0,83
Summe 600.000,00 100 100,00

Schritt 5 Die Mengenanteile

Teilen durch die Gesamtmenge von 52.500 Stück, nicht durch 600.000 €
Mengenanteil=Verbrauch in Stu¨ckGesamtmenge⋅100 %\text{Mengenanteil} = \frac{\text{Verbrauch in Stück}}{\text{Gesamtmenge}} \cdot 100\ \%
P1:9.00052.500⋅100 %=17,1428…≈17,14 %\text{P1:}\quad \frac{9.000}{52.500} \cdot 100\ \% = 17{,}1428\ldots \approx 17{,}14\ \%
Material Verbrauch in Stück genau in % gerundet in %
P1 9.000 17,1428… 17,14
P2 10.000 19,0476… 19,05
P3 5.000 9,5238… 9,52
P4 2.000 3,8095… 3,81
P5 1.000 1,9047… 1,90
P6 6.000 11,4285… 11,43
P7 5.000 9,5238… 9,52
P8 2.000 3,8095… 3,81
P9 10.000 19,0476… 19,05
P10 2.500 4,7619… 4,76
Summe 52.500 100 99,99

Sortieren und aufaddieren

der größte Verbrauchswert kommt nach oben

Schritt 6 Nach dem Verbrauchswert sortieren

Absteigend nach Verbrauchswert, die beiden Anteile wandern mit
180.000>135.000>105.000>85.000>45.000>30.000>7.000>5.000=5.000>3.000180.000 > 135.000 > 105.000 > 85.000 > 45.000 > 30.000 > 7.000 > 5.000 = 5.000 > 3.000
Rang Material Verbrauchswert in € Mengenanteil in % Wertanteil in %
1 P1 180.000,00 17,14 30,00
2 P6 135.000,00 11,43 22,50
3 P3 105.000,00 9,52 17,50
4 P9 85.000,00 19,05 14,17
5 P7 45.000,00 9,52 7,50
6 P2 30.000,00 19,05 5,00
7 P5 7.000,00 1,90 1,17
8 P10 5.000,00 4,76 0,83
9 P8 5.000,00 3,81 0,83
10 P4 3.000,00 3,81 0,50

Schritt 7 Die Anteile kumulieren

Kumuliert = alles bis zu dieser Zeile zusammen: Wert der Zeile darüber plus eigener Anteil
Menge:17,14  →  17,14+11,43=28,57  →  28,57+9,52=38,09Wert:30,00  →  30,00+22,50=52,50  →  52,50+17,50=70,00\begin{aligned} \text{Menge:}\quad & 17{,}14 \;\to\; 17{,}14 + 11{,}43 = 28{,}57 \;\to\; 28{,}57 + 9{,}52 = 38{,}09 \\ \text{Wert:}\quad & 30{,}00 \;\to\; 30{,}00 + 22{,}50 = 52{,}50 \;\to\; 52{,}50 + 17{,}50 = 70{,}00 \end{aligned}
Rang Material Mengen­anteil in % Menge kumuliert in % Wert­anteil in % Wert kumuliert in %
1 P1 17,14 17,14 30,00 30,00
2 P6 11,43 28,57 22,50 52,50
3 P3 9,52 38,09 17,50 70,00
4 P9 19,05 57,14 14,17 84,17
5 P7 9,52 66,66 7,50 91,67
6 P2 19,05 85,71 5,00 96,67
7 P5 1,90 87,61 1,17 97,84
8 P10 4,76 92,37 0,83 98,67
9 P8 3,81 96,18 0,83 99,50
10 P4 3,81 99,99 0,50 100,00

Schritt 8 Gleichstand bei P8 und P10

Zwei Materialien mit genau demselben Verbrauchswert
P8: 2.000⋅2,50=5.000 EuroP10: 2.500⋅2,00=5.000 Euro\text{P8: } 2.000 \cdot 2{,}50 = 5.000\ \text{Euro} \qquad \text{P10: } 2.500 \cdot 2{,}00 = 5.000\ \text{Euro}
Auf Rang 8 steht … Menge kumuliert nach Rang 8 nach Rang 9 Klasse beider
P10 (wie die Musterlösung) 92,37 % 96,18 % C
P8 91,42 % 96,18 % C

Schritt 9 Stolperstelle Rundung: 38,09 oder 38,10

Dieselbe Zelle auf zwei Wegen (Rang 3, Menge kumuliert)
erst runden, dann addieren:17,14+11,43+9,52=38,09\text{erst runden, dann addieren:}\quad 17{,}14 + 11{,}43 + 9{,}52 = 38{,}09
erst addieren, dann runden:9.000+6.000+5.00052.500⋅100=38,0952…≈38,10\text{erst addieren, dann runden:}\quad \frac{9.000 + 6.000 + 5.000}{52.500} \cdot 100 = 38{,}0952\ldots \approx 38{,}10
Stelle genau erst runden, dann addieren erst addieren, dann runden
Menge kumuliert, Rang 3 (20.000 von 52.500) 38,0952… 38,09 38,10
Menge kumuliert, Rang 5 (35.000 von 52.500) 66,6666… 66,66 66,67
Menge kumuliert, Rang 7 (46.000 von 52.500) 87,6190… 87,61 87,62
Menge kumuliert, Rang 8 (48.500 von 52.500) 92,3809… 92,37 92,38
Menge kumuliert, Rang 9 (50.500 von 52.500) 96,1904… 96,18 96,19
Menge kumuliert, Rang 10 (52.500 von 52.500) 100 99,99 100,00
Wert kumuliert, Rang 7 (587.000 von 600.000) 97,8333… 97,84 97,83
Mengenanteil der Klasse A 38,0952… 38,09 38,10

Die Klassen bilden

an der kumulierten Wertspalte schneiden

Schritt 10 Die Konzentrationskurve lesen

Jede Zeile aus Schritt 7 wird ein Punkt
( Menge kumuliert ∣ Wert kumuliert )Rang 1: (17,14∣30,00)(\ \text{Menge kumuliert}\ \mid\ \text{Wert kumuliert}\ ) \qquad \text{Rang 1: } (17{,}14 \mid 30{,}00)

Schritt 11 Die Grenze der Klasse A

Die 70,00 % aus der Regel in der Spalte „Wert kumuliert“ suchen
Wert kumuliert nach Rang 3=70,00 %  ⇒  A={P1, P6, P3}\text{Wert kumuliert nach Rang 3} = 70{,}00\ \% \;\Rightarrow\; \text{A} = \{\text{P1},\ \text{P6},\ \text{P3}\}

Schritt 12 Die Grenze der Klasse B und der Rest C

A und B zusammen: 70,00 % + 21,67 %
70,00+21,67=91,67 %=Wert kumuliert nach Rang 5  ⇒  B={P9, P7}70{,}00 + 21{,}67 = 91{,}67\ \% = \text{Wert kumuliert nach Rang 5} \;\Rightarrow\; \text{B} = \{\text{P9},\ \text{P7}\}
Ra¨nge 6 bis 10:C={P2, P5, P10, P8, P4}\text{Ränge 6 bis 10:}\quad \text{C} = \{\text{P2},\ \text{P5},\ \text{P10},\ \text{P8},\ \text{P4}\}

Schritt 13 Die Anteile je Klasse

Klasse Wertanteil (pro Klasse in %) Mengenanteil (in Klassen %)
A 70,00 − 0 = 70,00 38,09 − 0 = 38,09
B 91,67 − 70,00 = 21,67 66,66 − 38,09 = 28,57
C 100,00 − 91,67 = 8,33 99,99 − 66,66 = 33,33
Summe 100,00 99,99

Schritt 14 Gegenprobe mit der Mengenregel

Klasse Mengenanteil berechnet Mengenanteil laut Regel passt?
A 38,09 % 38,09 % ja
B 28,57 % 28,57 % ja
C 33,33 % 33,33 % ja

Das fertige Schema

alles aus den Schritten 6 bis 13 in der Form der Klausur

Schritt 15 Das ausgefüllte Lösungsschema

Rang Art. Nr. Mengen­verbrauch in % Kumuliert in Klassen % Wert­verbrauch % Kumuliert Pro Klasse in % Klasse
1 P1 17,14 17,14 30,00 30,00 A
2 P6 11,43 28,57 22,50 52,50
3 P3 9,52 38,09 38,09 17,50 70,00 70,00
4 P9 19,05 57,14 14,17 84,17 B
5 P7 9,52 66,66 28,57 7,50 91,67 21,67
6 P2 19,05 85,71 5,00 96,67 C
7 P5 1,90 87,61 1,17 97,84
8 P10 4,76 92,37 0,83 98,67
9 P8 3,81 96,18 0,83 99,50
10 P4 3,81 99,99 33,33 0,50 100,00 8,33
Summe 99,99 99,99 100,00 100,00

Schritt 16 Was das Ergebnis bedeutet

A · 3 Materialien
P1, P6, P3
38,09 % Menge · 70,00 % Wert
B · 2 Materialien
P9, P7
28,57 % Menge · 21,67 % Wert
C · 5 Materialien
P2, P5, P10, P8, P4
33,33 % Menge · 8,33 % Wert
Breite eines Kastens = Anteil an den 52.500 Stück. Füllhöhe = Anteil an den 600.000,00 €.

Teil b) Mängel und Gegenmaßnahmen

zu diesem Teil enthält die Musterlösung keine Antwort

Schritt 17 Mängel der ABC-Analyse und was dagegen hilft

Mangel So wirkt man ihm entgegen
Planbarkeit fehlt. Es zählt nur der Wert. Ob ein Teil gleichmäßig oder stoßweise verbraucht wird, zeigt die Analyse nicht. Zusätzlich eine XYZ-Analyse machen. Sie teilt danach ein, wie gleichmäßig ein Teil verbraucht wird: X gleichmäßig, Y schwankend, Z unregelmäßig.
Bedeutung und Beschaffungsrisiko fehlen. Ob ein Teil schwer zu bekommen ist, etwa weil es nur einen Lieferanten gibt, oder ob ohne es die Fertigung stillsteht, spielt keine Rolle. Die Teile zusätzlich nach Bedeutung und Risiko einstufen und kritische Teile kennzeichnen. Die XYZ-Analyse hilft hier nicht, sie misst nur die Gleichmäßigkeit.
Blick zurück. Grundlage ist der Verbrauch des vergangenen Jahres. Neue Teile, auslaufende Teile und Einmalbedarfe werden falsch eingeordnet. Die Analyse regelmäßig wiederholen (etwa jedes Quartal), mit geplanten statt vergangenen Mengen rechnen und Sonderfälle vorher herausnehmen.
Grenzen sind festgelegt, nicht berechnet. Wo A endet und B beginnt, entscheidet die Firma. Ein Teil knapp an der Grenze kann in der falschen Klasse landen. Die Grenzen begründen und aufschreiben und Teile nahe an einer Grenze einzeln prüfen.
C-Teile wirken unwichtig. Auf sie entfallen hier nur 8,33 % des Werts. Ein fehlendes Teil für 1,50 € kann trotzdem die Fertigung stoppen. Viele kleine Bestellungen kosten außerdem viel Arbeitszeit. Kritische C-Teile wie in Zeile 2 kennzeichnen. Die übrigen C-Teile einfach und billig beschaffen, zum Beispiel über Rahmenverträge (ein Vertrag mit einem Lieferanten für ein ganzes Jahr statt einzelner Bestellungen).
Das Ergebnis hängt am Preis. Ändert sich der Einkaufspreis, wandert ein Teil in eine andere Klasse, obwohl gleich viel gebraucht wird. Für die ganze Analyse mit festen Verrechnungspreisen rechnen, also mit einem Preis, der für den Zeitraum gleich bleibt.

Schritt 18 Ergebnis

✓A: P1, P6, P3 — 38,09 % der Stücke, 70,00 % des Werts
✓B: P9, P7 — 28,57 % der Stücke, 21,67 % des Werts
✓C: P2, P5, P10, P8, P4 — 33,33 % der Stücke, nur 8,33 % des Werts
✓Proben: Wertanteile ergeben 100,00 %, Mengenanteile 99,99 % (Rundung); beide Klassenspalten ergeben dasselbe
✓b) Mängel: keine Planbarkeit, keine Bedeutung/kein Risiko, Blick zurück, gesetzte Grenzen, C-Teile unterschätzt, Preisabhängigkeit — jeweils mit Gegenmaßnahme

Auf drei von zehn Materialien entfallen 70 % des Verbrauchswerts. Dort lohnt es sich, genau zu planen und gut zu verhandeln. Auf fünf Materialien entfallen zusammen nur 8,33 %. Dort lohnt vor allem ein einfacher, billiger Bestellvorgang.