Kaffeepackungen sollen 500 g enthalten, die echten Füllmengen schwanken normalverteilt. Bisher
war eine Grenze gegeben und die Wahrscheinlichkeit gesucht. Hier ist es in (i) und (ii)
umgekehrt: Die Wahrscheinlichkeit ist gegeben (1 %), gesucht ist die Grenze. Diese Grenze heißt
Quantil. Teil (iii) verbindet eine Wahrscheinlichkeit mit zwei unabhängigen Packungen.
Rechts steht der ganze Lösungsweg, links die Erklärung zum aktuellen Schritt. Mit
Weiter geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick auf einen Schritt springt direkt
dorthin.
Schritt 0Die Aufgabe
Die Füllung in einer Packung Kaffee soll in etwa 500 g betragen. Ausführliche Messungen
haben ergeben, dass die Füllmengen N(500,12)-verteilt sind.
Bestimmen Sie I1 so, dass 1 % der Packungen weniger alsI1 enthält.
Bestimmen Sie I2 so, dass 1 % der Packungen mehr alsI2 enthält.
Wir betrachten zwei zufällig ausgewählte (unabhängige) Packungen. Wie groß ist die
Wahrscheinlichkeit, dass keine von beiden weniger als 495 g enthält?
Hinweis zur Musterlösung: Für (iii) steht in der Musterlösung 0,8565. Richtig
gerundet sind es 0,8566, und zwar auf beiden Wegen (Schritt 13). 0,8565 entsteht nur,
wenn man abschneidet statt zu runden. In Prozent: 85,7%.
Das Modell
was N(500,12) bedeutet
Schritt 1N(500,12) lesen: die 12 ist die Varianz
X = Füllmenge einer zufällig gewählten Packung in Gramm
X∼N(μ,σ2)=N(500,12)
Mitte und Varianz ablesen
μ=500,σ2=12
Die Standardabweichung ist die Wurzel aus der Varianz
σ=12≈3,4641
Schritt 2Die Glockenkurve der Füllmengen
Wahrscheinlichkeit = Fläche unter der Dichte fX
P(a≤X≤b)=Fla¨che unter fX zwischen a und b,ganze Fla¨che=1
Erste σ-Regel: zwischen μ−σ und μ+σ liegen rund 68,2 % der Packungen
500±3,4641:496,54 g bis 503,46 g
Zweite σ-Regel: zwischen μ−2σ und μ+2σ liegen rund 95,4 %
500±2⋅3,4641=500±6,9282:493,07 g bis 506,93 g
(i) Die untere Grenze I1
1 % der Packungen liegen darunter
Schritt 3Die Frage umdrehen: Fläche gegeben, Grenze gesucht
„1 % der Packungen enthalten weniger als I1“
P(X<I1)=0,01
Ein einzelner Punkt hat keine Fläche, also ist < dasselbe wie ≤
P(X<I1)=P(X≤I1)=FX(I1)=0,01
gegeben
gesucht
R-Befehl
bisher
Grenze x
Fläche links von x
pnorm
jetzt
Fläche 0,01
Grenze I1
qnorm
Schritt 4Das Quantil
Das α-Quantil qα: links von ihm liegt der Anteil α
FX(qα)=P(X≤qα)=α
Ein Beispiel, das man ohne Rechnung sieht
q0,5=500,denn P(X≤500)=0,5
Gesucht in (i): das 1-%-Quantil
I1=q0,01
Schritt 5I1 mit qnorm bestimmen
qnorm(0.01, mean = 500, sd = sqrt(12))
#[1] 491.9413
Auf zwei Nachkommastellen (hundertstel Gramm) gerundet
I1=q0,01≈491,94 g
Probe: die Fläche links von 491,9413 g mit pnorm
FX(491,9413)≈0,0100000=1%
pnorm(491.9413, mean = 500, sd = sqrt(12))
#[1] 0.01000004
Schritt 6Die Falle: 12 ist nicht die Standardabweichung
R erwartet die Standardabweichung, nicht die Varianz
sd=σ=12≈3,4641,nicht 12
qnorm(0.01, mean = 500, sd = 12) # falsch: 12 ist die Varianz
#[1] 472.0838
Warum das nicht stimmen kann
500−472,08=27,92 g≈8⋅σ
(ii) Die obere Grenze I2
1 % der Packungen liegen darüber
Schritt 7„1 % mehr als I2“ heißt „99 % höchstens I2“
Die Frage aus (ii)
P(X>I2)=0,01
Gegenereignis: P(X>I2)=1−P(X≤I2)
1−P(X≤I2)=0,01
Auf beiden Seiten P(X≤I2) addieren
1=0,01+P(X≤I2)
Auf beiden Seiten 0,01 abziehen
P(X≤I2)=1−0,01=0,99
Gesucht ist also das 99-%-Quantil
I2=q0,99
Schritt 8I2 mit qnorm bestimmen
qnorm(0.99, mean = 500, sd = sqrt(12))
#[1] 508.0587
Auf zwei Nachkommastellen gerundet
I2=q0,99≈508,06 g
Schritt 9Symmetrie: I2 liegt so weit über 500 wie I1 darunter
Abstand der beiden Grenzen von der Mitte
500−491,9413=8,0587,508,0587−500=8,0587
Probe: Die Mitte der beiden Grenzen ist μ
491,9413+508,0587=1000,21000=500
Schritt 10Ergänzung: 8,06 g sind 2,33 Standardabweichungen
Ergänzung — nicht nötig für die Lösung, aber sie zeigt, woher die 8,06 g kommen.
Standardisieren: wie viele σ liegt x von μ entfernt?
z=σx−μ,Z=σX−μ∼N(0,1)
zα heißt das α-Quantil der Standardnormalverteilung (statt qα)
z0,99≈2,326348,z0,01≈−2,326348
qnorm(0.99)
#[1] 2.326348
Zurück in Gramm: die Formel für z nach x auflösen
z=σx−μ⋅σ
z⋅σ=x−μ+μ
x=μ+z⋅σ
Einsetzen: z0,99⋅σ ist der Abstand von der Mitte
2,326348⋅3,4641≈8,0587
I1=500−8,0587=491,9413,I2=500+8,0587=508,0587
(iii) Zwei Packungen, keine unter 495 g
erst eine Packung, dann das Produkt
Schritt 11„Keine von beiden unter 495 g“ übersetzen
„keine weniger als 495 g“ = „jede mindestens 495 g“
A1={X1≥495},A2={X2≥495}
Gesucht: beide Ereignisse zugleich
P(A1∩A2)
Schritt 12Eine Packung: P(X≥495)
Gegenereignis, denn pnorm liefert die Fläche links
P(X≥495)=1−P(X<495)=1−FX(495)
pnorm(495, mean = 500, sd = sqrt(12))
#[1] 0.07445734
Unabhängig: die Wahrscheinlichkeit für beide ist das Produkt
P(A1∩A2)=P(A1)⋅P(A2)
Mit dem Wert aus Schritt 12 (sieben Nachkommastellen)
P(A1∩A2)=0,9255427⋅0,9255427=0,8566293
Gerundet
P(A1∩A2)≈0,8566≈85,7%
Zum Vergleich: erst auf 0,9255 runden, dann quadrieren — gerundet ebenfalls 0,8566
0,92552=0,85655025≈0,8566
Schritt 14Ergebnis
✓(i) I1≈491,94 g — nur 1 % der Packungen enthalten weniger
✓(ii) I2≈508,06 g — nur 1 % der Packungen enthalten mehr
✓(iii) P(beide≥495 g)≈0,8566 — in rund 85,7 % der
Fälle ist keine der beiden Packungen unter 495 g
Probe zu (i) und (ii):491,94+508,06=1000 — beide Grenzen liegen gleich weit
(8,06 g) von der Mitte 500 g entfernt. Zwischen ihnen liegen 100%−1%−1%=98% aller Packungen.
Probe zu (iii): Für zwei Packungen gibt es vier Fälle. Zusammen müssen sie 1 ergeben:
Packung 1
Packung 2
Rechnung
Wahrscheinlichkeit
≥ 495 g
≥ 495 g
0,9255427⋅0,9255427
0,8566293
≥ 495 g
< 495 g
0,9255427⋅0,0744573
0,0689134
< 495 g
≥ 495 g
0,0744573⋅0,9255427
0,0689134
< 495 g
< 495 g
0,0744573⋅0,0744573
0,0055439
Summe
1,0000000
Typische Fehler:sd = 12 statt
sd = sqrt(12) — 12 ist die Varianz. Für (ii)
qnorm(0.01, …) statt qnorm(0.99, …) — ein
Quantil zählt immer von links. In (iii) pnorm(495, …) direkt als
Antwort nehmen — das ist der Anteil unter 495 g. Oder die beiden Wahrscheinlichkeiten
addieren statt multiplizieren.